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Das Gespräch mit dem Seher

„Wir sind von den Donnerfelsen aus aufgebrochen, um unsere Bestimmung zu erfüllen. Unser erster Weg führte uns in’s Steinkrallengebirge. Dort fingen wir uns einige Ziegen, schlossen erste lose Freundschaften mit wandernden Tauren. Ich erfuhr, dass mein Lehrmeister Nobu in der Zwischenzeit zu den Ahnen aufgegangen war.“

Verständnisvoll neigt der Seher den Kopf und spricht in leisen, sanften Worten in die morgendliche Brise:

„Möge sein Geist dort ruhen und seine Weisheit uns in die Zukunft leiten.“

„Wir wandten uns nach Süden, erkundeten den Weg zu Karnum’s Lichtung. Dort empfing man uns sehr zuvorkommend. Ebenso verhielt es sich mit dem Geistwandlerposten. Wir halfen Bruder Karnum und seinen Druiden dabei, die Lichtung zu erweitern. Aber noch ehe wir weitere Aufgaben für ihn erfüllen konnten, erreichte uns eine beunruhigende Nachricht. Bruder Waruk, der Gefährte der Shu’halo in deren Hütte wir wohnen durften, war auf dem Weg zu einer diplomatischen Mission verschollen. Die Trolle, die er treffen wollte, wussten nichts über seinen Verbleib. Der Stamm nennt sich „Geisterspeere“. Ihr Anführer trägt eine schauerliche Maske, und ebenso unheimlich ist auch er selbst. Dennoch schien er weise und geneigt, uns zu helfen. Er schickte uns seine Stammesmitglieder mit auf die Suche und half uns auch später mit einem taurischen Schamanen aus, als wir uns daran machten, Waruk aus den Fängen der Zentauren zu befreien, die ihn gefangen hielten. Nur mit der Hilfe jenes Schamanen und mit Häuptling Mokudaras Anhängern schafften wir es.  Eine Seuche schien die Zentauren befallen zu haben, sonst wären wir wohl nie so weit gekommen. Wir erhielten eine reiche Fülle an Geschenken für unsere Hilfe für Waruk und Gurda – Nachdem wir einige Zeit bei den Trollen geblieben waren, um uns vom Kampf zu erholen. Ich schloß ein Bündnis mit dem Geistbrecher, wie Mokudara von den Geisterspeeren genannt wird. Lernten die Eisenäxte, einen nomadischen Orcstamm, kennen und mögen, die uns ein Stück des Weges begleiteten.“

Aufmerksam schlackern die Ohren des Sehers. Sein verklärter Blick ruht fest auf dem Häuptling der Kinder des Bärengeistes, als jene pausiert. Dann nickt er langsam. Seltsamerweise scheint er sich nicht wirklich für die Geschichte zu den Geisterspeeren zu interessieren. Doch womöglich bedeutete allein schon das Nicken eine Respektsbekundung hierfür.

„Dieser Schamane… Er begleitet euch seither, richtig?“

„Das tut er. Beim nächsten Aufnahmefest möchte ich ihn offiziell zum Stammesmitglied machen.“

„Euch ist klar, dass er nicht frei von einer gewissen… Gefahr ist?“

Der Seher wendet seinen hageren Kopf knapp Bruro zu, während er jene Frage stellt. Doch sie scheint nicht an ihn gerichtet zu sein. Zumindest ist es Eyneha, die jetzt in heftigem, entschiedenem Ton antwortet, die Ohren leicht angelegt. Noch ehe Bruro überhaupt zu Wort kommen kann.

„Ja. Das ändert nichts an meiner Entscheidung.“

So nickt der Seher denn. Ein leises Seufzen entrinnt seiner Kehle, und der Häuptling scheint sich wieder etwas zu entspannen. Ohne es näher anzusprechen verlangt er mit einer auffordernden Geste mehr Informationen.

„Wir fanden eine Kodokuh unter einer von Zentauren getöteten Herde. Mit der Hilfe eines Druiden, Bruder Samildan, konnten wir sie beruhigen. Seitdem folgen beide uns. Der Weg führte uns weiter in die Wälder von Feralas, mitten in der Regenzeit. Wir schlugen unser Lager auf, erfuhren von einem riesigen Wurm, eine Art Elementar, der ganze Felsen durchzubeißen vermag. Aber wir sahen ihn nie. An der Küste bei der Elfenfeste spielten sich die meisten Vorkommnisse dort ab. So begegneten wir auf der Suche nach Salbenzutaten einem Seeriesen, der Bruder Kwatoko, unseren Sonnenläufer, schwer verletzte. Ich.. schaffte es mit der Hilfe der Elemente, den Riesen zurück ins Meer zu spülen. Zin’zhi, eine Geisterspeer, berichtete uns wenig später davon, dass ihr Häuptling unsere Hilfe benötige. Er brauchte eine Übersetzung für einen Monolithen, den er in einem Tal dort, verborgen hinter einem Durchgang aus Pflanzen und Blattwerk, gefunden hatte. Die Schriften waren darnassisch. Als hätten es die Ahnen herbeigeführt… begegneten wir einem einzelnen Elfen und überredeten ihn, uns zu helfen, denn er konnte gebrochenes Taurahe sprechen.“

Überrascht murrt der Seher und ruckt mit dem Kopf, um mehr zu hören. Seine Schweifspitze schaukelt ruhig hin und her, er wirkt interessiert.

„In dem Tal erfuhren wir, dass es sich um eine Gedenkstätte handelte. Ein Tauren war für seinen Stamm gestorben, um ihn vor dem „Blutvogel“ zu retten.“

„Die Geschichte von Hakkar, dem Blutgott, und seiner Kinder.“

Nickt der Seher, woraufhin Eyneha etwas verwirrt die Ohren verdreht und Bruro einen Blick mit ihr tauscht.

„Das war uns anfangs nicht so klar. Bruder Akarnototec musste uns erst darüber aufklären. Eigentlich wäre die Geschichte damit abgeschlossen gewesen.. Aber Häuptling Mokudara schien der Meinung, dass diese Angelegenheit die unsere wäre. Dass die Geister diese Begebenheit geplant hätten… Und später verfestigte sich jene Meinung auch bei mir, als ich einen visionären Traum erhielt. In jenem wurde mir plötzlich gewahr, dass uns eine Waffe fehlte, um den Blutvogel zu bekämpfen. Ich ging mit Bruder Akarnototec zurück, um nach besagter Waffe zu suchen. Und wir fanden sie unter der Gedenkstätte. Doch dabei erkrankte ich offenbar an einem Fluch des Getöteten. Wir verbrannten das Tal und alle Rückstände, die von dem Blutvogel und den fliegenden Schlangen zu finden waren. Ein Fieber befiel mich auf dem Weg zurück nach Desolace. In der Zwischenzeit waren wir mehr geworden. Ein Yaungol war zu uns gestoßen, gewillt, uns mit seiner Kampfeskraft zu unterstützen.“

Wieder nickt der Seher. Obwohl er ruhig lauscht, erscheint es bisweilen, als kenne er die Geschichte längst. Der abwesende Blick verweilt abwechselnd auf den beiden Tauren vor sich.

„Der Yaungol wird auch Teil eures Stammes werden?“

„Ja. Ich vertraue ihm. Unser Sonnenläufer hat sich seiner angenommen und ihn auf seine Eignung geprüft, uns zu begleiten… und zu beschützen. Khadak.. Wird in unserer Zukunft noch eine Rolle spielen. Ich möchte ihn als Berater für die Taktik und das Zusammenspiel im Kampf haben. – Jedenfalls.. fanden wir auf dem Weg auch eine Druidin, eine ehemalige Centurion der Horde, Schwester Melandari. Sie war von Menschen verwundet worden und erhielt unsere Hilfe. Sie weicht uns seither nicht mehr von der Seite. Auch sie wird in den Stamm aufgenommen werden. Zurück in Desolace besiegten wir gemeinsam den Fluch und mein Fieber. Wir halfen Karnum beim Schutz der Lichtung vor einer neuen, verheerenden Pilzart. Und begegneten einem jungen Tauren, den ich im Schamanismus lehren werde.“

„Euer Stamm wächst.“, kommentiert der Seher mit einem zufriedenen Brummen. Prüfend richten sich seine Augen jetzt vollkommen der Gegenwart und dem Häuptling zu. Sein Schritt führt ihn eine Huflänge näher an Eyneha heran. Die Nüstern senken sich bis dicht vor ihre herab, ziehen ihren Geruch tief ein. Verstört verdreht jene die Ohren. “ – Ich sehe Wärme und Enge zwischen euch. Aber auch Verbitterung.“, als Eyneha darauf antworten will, hebt er abwehrend die Pranke. „Ich will es gar nicht so genau wissen. Aber etwas anderes interessiert mich, Häuptling Eyneha Hoher-Berg. Ihr seid nicht ohne Erwartungen gekommen. Ein Wunsch und eine Angst erfüllt euer Herz, die ihr mir mitteilen möchtet.“

Erstaunt glotzt die Tauren ihn mit großen Augen an. Immernoch schweigend verweilt Bruro daneben, mustert aufmerksam die Mimik seiner Geliebten. Jetzt scheint auch er neugierig geworden zu sein. Sie braucht noch eine Weile, um wieder zu sich zu kommen. Der Blick wird ernster und fester, als sie ihr Anliegen schildert:

„Diese Träume, die ich habe.. scheinen auf die Zukunft hinzuweisen. Ich selbst hatte noch keinen, der dieses spezielle Ereignis vorhersagt. Doch es häufen sich Geschichten von andren. Ein Scharfseher der Eisenäxte sah Feuer voraus. Eine Schamanin der Schwarzblut Orcs sprach von Finsternis in den Augen ihrer Ahnen. Und Häuptling Mokudara selbst schlich sich in meine Träume, um mir von einer nahenden Gefahr zu berichten. Von etwas Unausweichlichem, vor dem man sich nicht verstecken könne. Er sprach auch darüber, dass es meine Aufgabe sein würde, unsere Art darauf vorzubereiten.“

Der Seher runzelt immer tiefer die Stirn, je mehr Eyneha erzählt. Er schüttelt kräftig die Mähne aus, dabei klappern die Holzperlen wild um sein Stabende, auf dass er sich stützt. Seine Klaue greift vor, berührt mit den Fingerspitzen die Stirn des sorgenvollen Häuptlings. Er lächelt.

„Die Ahnen sprechen über euch, Schwester. Auch, wenn sie nicht MIT euch sprechen. Verzagt nicht. Eines Tages, wenn die Zeit gekommen ist, werden sie wieder antworten. Eure Neuigkeiten.. Sind beunruhigend, aber nicht ganz so neu für mich. Ein Krieg wird kommen. Bis nach Kalimdor, in unsere Heimat. Was für eine düstere Gefahr da auch auf uns zukommt – Wir werden gewappnet sein, und unser Volk wird tapfer und stark sein, wie schon seit Anbeginn der Zeit, als die Erdenmutter ihre Arme ausbreitete. Häuptlinge, Kriegerhelden, Heiler, Beschützer und Friedensbewahrer, sowie alle Kampfeswilligen der Shu’halo werden schon in Bälde einberufen werden, um das weitere Vorgehen zu klären. Und ihr… Bleibt und genießt die Gastfreundschaft der Bluthufe auch weiterhin. Ihr werdet erholt und kräftig in die kommende Zeit gehen müssen.“

Die Schultern der Tauren sinken unter der Berührung und unter seinem Lächeln allmählich entspannter herab. Man erlangt den Eindruck, eine unglaublich schwere Last davon rutschen zu sehen. Das Zwinkern des Sehers wirkt aufmunternd, und scheint beiden zugleich zu gelten. Dann wendet er sich ab. Geht einige Schritte, derweil das Klappern des Stabes und seines Schmuckes ihn stetig begleitet. Sein Blick wandert nocheinmal zurück.

„Hört auf, ein Geheimnis daraus zu machen. Sucht euch einen Ältesten. Es wird Zeit, offiziell zueinander zu stehen, Bruder.. Schwester.“

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